Folge 7

Du musst das Leben, das Du gerade führst, hinter Dir lassen

Du musst das Leben, das Du gerade führst, hinter Dir lassen

Waheguru.

Lass uns über unser Leben sprechen, Dein Leben und mein Leben.

‘‘Sei glücklich wie eine Blume, die auf ihrem Stängel tanzt. Sei tiefgründig wie das Vergehen aller Dinge.’’

Professor Puran Singh Ji schreibt seinem Freund – nur wenige Zeilen.

‘‘Sei tiefgründig, wie das Vergehen aller Dinge.’’

Wenn jemand oder etwas stirbt, ein Mensch, ein Vogel oder ein Baum, fühlt es sich an, als wären diese nirgendwohin gegangen, als wären sie zu ihren Wurzeln zurückgekehrt, aus denen sie entsprungen sind. Für weltliche Menschen ist dies ein Gedicht, wie so viele andere Gedichte, die Menschen schreiben.

Er sagt: Meditiere und versenke Dich in die Meditation; denn wenn Du wissen willst, wer Du bist, wenn Du Dein wahres Wesen erkennen willst, dann musst Du sterben. Nicht diesen weltlichen Tod, nein.

Du musst das Leben, das Du gerade führst, hinter Dir lassen. Du musst durch eine andere Tür gehen, um Dich selbst zu erkennen, um erkennen zu können, wer Du bist. Diese Tür führt durch Meditation und tiefe Stille.

Wenn alles beim Alten bleibt, kann sich nichts ändern. Wir bleiben unverändert. Das ist das Unglück der Welt: Viele wollen so weiterleben wie bisher und gleichzeitig wollen sie Gott begegnen. Das ist unmöglich!

Wie schön ist das! Er sagt: Versenke Dich in tiefe Meditation. Lass die äußere Welt hinter Dir. In dieser tiefen Stille betrittst Du eine andere Welt, die Welt der Wahrheit.

‘‘Sei glücklich wie eine Blume auf ihrem Stiel.’’

Du wirst Dich fühlen wie eine Blume, die in dieser Welt der Wahrheit auf ihrem Stiel tanzt. Vollkommene Glückseligkeit. Du tanzt auf Deinem Stiel. Fernab der Welt, des weltlichen Lebens. Kein Elend, kein Leid, keine Angst, keine Furcht können Dich berühren.

‘‘Sei überglücklich wie ein Vogel auf einem Ast.’’

Dort wäre es für Dich ganz natürlich zu singen; wie ein Vogel auf dem Ast seines Lieblingsbaumes. Wie schön. Für den weltlichen Menschen klänge dies wie eines der vielen Gedichte, die so viele schreiben, doch wie tiefgründig ist es, wie tiefgründig!

Meine Lebensweise ist ungesund. Ich lebe wie die Welt, aus meinem Verstand heraus, welcher stets in Gier, Anhaftung, sexueller Begierde, Zorn und Egoismus verstrickt ist. 

Aber ich hörte, es gibt eine andere Welt, die Welt der Wahrheit, die Welt meines Geliebten und zugleich auch meine Welt, doch mir fehlen die Tugenden, um in diese Welt einzutreten.

Während ich in Dir verweile, finde ich vollkommenen Frieden. Das ganze Universum ist nichts als die Weite der Wahrheit, die Wahrheit selbst. Selbst die Wissenschaft weiß, dass das ganze Universum von universellem Bewusstsein erfüllt ist; das ist Gott.

Immer wenn ich in Dir verweile, mein Geliebter, finde ich tiefen Frieden.

Ich war erstaunt, als ich hörte, dass viele Menschen, die es gewohnt sind, aus ihrem Verstand heraus zu leben, gar nicht wissen, was Frieden bedeutet.

Die Weite des Himmels ist nichts als das Göttliche selbst. Selbst die Wissenschaft weiß, dass das gesamte Universum von göttlicher oder universeller Energie oder Bewusstsein erfüllt ist. Energie ist nicht das richtige Wort. Universelles Bewusstsein.

Wir sind immer schon in Ihm, aber weil wir ständig nachdenken, wissen wir nicht, dass wir bereits in Gott sind.

Wenn ich mir also bewusst werde, dass ich in Dir bin, dass ich in Dir sitze, in Dir stehe, in Dir gehe, in Dir spreche, dann fühle ich tiefen Frieden.

Gott hat uns auf eine Weise geschaffen, das menschliche Leben so zu leben, dass unser Bewusstsein natürlich vertikal ausgerichtet ist; das heißt, ganz im Hier und Jetzt verweilt.

Im Moment zu leben, im Moment anzukommen, das Bewusstsein im Hier und Jetzt zu halten und aufzusteigen – das ist unser natürlicher Zustand.

Doch weil wir vom Weg abgekommen sind, haben wir unseren natürlichen Zustand vergessen. Unsere Wege sind nicht mehr natürlich, sie sind die Wege der Welt.

Es ist natürlich für uns, im Hier und Jetzt zu leben. Es ist natürlich, nicht an die Vergangenheit zu denken, noch uns um die Zukunft zu sorgen – das ist natürlich. Doch wir leben unnatürlich.

Täglich und immer wieder sollten wir uns fragen: Lebe ich wirklich auf meine natürliche Weise?

Während des Zweiten Weltkriegs sind schätzungsweise sechs Millionen Juden in Konzentrationslagern, in Gaskammern und auf verschiedene Weise ermordet worden. Einer der Gefangenen hieß Viktor Frankl.

Seine Eltern, sein Bruder und seine Frau wurden alle im Lager ermordet. Es war so furchtbar, allein in diesen Lagern leben zu müssen.

Eines Tages spürte Viktor eine sanfte Bewegung in sich. Er hielt inne und spürte dieser Bewegung nach. Er fühlte sich friedvoll. Von da an meditierte er jeden Tag und spürte dieser inneren Bewegung nach – diese innere Bewegung war das Göttliche selbst.

Indem er sich so mit dem Göttlichen vereinigte, fand er durch dessen Gnade und seine eigenen Bemühungen tiefen Frieden und äußere Ereignisse konnten ihm nichts mehr anhaben. 

Er schrieb ein Buch mit dem Titel ‘Die letzte Freiheit des Menschen’*; Solange wir nicht frei vom Verstand sind, bleiben wir in seinem Gefängnis gefangen und dieses Gefängnis ist so schrecklich.

Wenn wir meditieren, wenn wir in unseren natürlichen Seinszustand gelangen, unser Bewusstsein sich vertikal bewegt, sind wir wahrhaft frei. Befreit. Emanzipiert. Das ist Erleuchtung. Das ist Befreiung.

*Der Buchtitel lautet: ‘…trotzdem Ja zum Leben sagen’