
Folge 6
Waheguru.
Professor Puran Singh, eine heilig-reine und hoch entwickelte, gefeierte Seele, schrieb seinem Freund am 3. März 1928 diese kurze Nachricht:
Mein lieber Ranvir Singh,
ich habe Deine Postkarte erhalten. Hast Du meinen Brief aus Patiala nicht bekommen? Ich habe Dir von dort einen solchen geschrieben. Ich hoffe, morgen, am 13. März, in Lyallpur sein können. Du könntest Dich bei Sardar Sampuran Singh erkundigen, bei dem ich wohnen werde. Es wird mir eine große Freude sein, Dich zu treffen.
Und dann schreibt er:
‘‘Sei glücklich wie eine Blume, die auf ihrem Stängel tanzt.
Sei glücklich wie eine Blume, die auf ihrem Stängel tanzt.
Sei überglücklich wie ein Vogel auf einem Ast.
Sei tiefgründig wie die Vergänglichkeit aller Dinge.
Sei freudig wie der kommende Frühling mit Leben voller Blüten.
Herrlichkeit herrscht überall, und Gott ist die schönste Gegenwart.
Das menschliche Leben ist eine so herrliche Gelegenheit, mit Gott zu verweilen.’’
Professor Puran Singh – er sagte: ‘Sei glücklich wie eine Blume, die auf ihrem Stängel tanzt, oder sei überglücklich wie ein Vogel auf einem Ast.’
Wie würden wir das, was er sagt, verstehen? Er sagt, sei glücklich wie eine Blume auf dem Stängel. Wir wissen darüber nichts. Für uns ist die Blume nicht wie wir, die wir glücklich oder traurig oder wütend werden können. Nein. Wir wissen nichts über sie. Wir können nicht fühlen, wie die Blumen sich fühlen. Was sollen wir aus diesen Aussagen von Professor Puran Singh verstehen, die er an seinen Freund richtete? Sei glücklich wie eine Blume an ihrem Stiel. Sei voller Freude auf einem Ast.
Solange wir in unseren Gedanken gefangen sind – und die ganze Welt um uns herum lebt in ihren Gedanken – was können wir schon mithilfe dieser Gedanken erahnen, geschweige denn fühlen? Welcher Verstand kann sich vorstellen, wie sich eine Blume an ihrem Stiel anfühlt? Wie sich fühlt ein Vogel fühlt, der auf einem Ast sitzt?
Wir sind von Verstand umgeben – wo wir niemals wirklich lebendig sind. Wir verharren in unseren Gedanken. Versunken in Gedanken, Sorgen, Illusionen, Kummer, Ängsten – all dem.
Wir sind in unseren Gedanken am einen Ort, während das Leben irgendwo anders stattfindet; wir leben am Leben vorbei. Wir erfahren nie, was Leben wirklich bedeutet. Und die ganze Welt glaubt, zu leben, doch sie lebt nicht, sie existiert nur aus ihrem Ego heraus.
Demut. Demut ist es, die es uns ermöglicht, die Worte anderer zu hören. Demut. Ego, niemals. Das Ego bleibt in der Defensive. Das Ego bleibt unverändert. Die gleichen Gewohnheiten, das gleiche Leben, alles beim Alten. Doch diese Gelegenheit ist so wunderschön. Jede Aussage über die Wahrheit, über unser wahres Wesen, kann nur durch das Tor der Demut und Liebe zu uns gelangen. Und dieses Tor ist das Herz; das Tor des Herzens.
Das Spiel des Erwachens und Wachbleibens ist das Schwierigste überhaupt. Nur die Gesegneten, die demütig genug und liebevoll genug sind, erfahren, was das Leben wirklich ist.
Wenn Du jetzt nicht meditierst, wenn Du jetzt nicht erwachst, wann dann? Niemals. Entweder jetzt oder nie. Nur wer demütig genug ist und nur, wer sich so sehr danach sehnt, zu erwachen und aus seinem wahren Selbst heraus zu leben, nur jene werden damit gesegnet.
Dieses Zeichen sollte uns stets vor Augen stehen, uns begleiten: Dass ich nicht glücklich bin, nicht zufrieden bin, mich leer fühle, ich nur voller Begierden bin und nicht weiß, wer ich bin. Wenn wir uns dessen bewusst würden, würden wir inneren Schmerz spüren.
Dies ist ein Brief aus Toronto, in dem der Verfasser schreibt:
‘‘Oh mein Geliebter, wem kann ich meinen inneren Zustand anvertrauen? Leer. Unglücklich. Traurig. Bitte komm und begegne mir, denn der Weg des Lebens ohne Dich, ist der Weg der Leere.’’
Wie können wir unserem wahren Sein begegnen, wie können wir dem Göttlichen begegnen und wie können wir mit Gott verschmelzen? Wenn wir wirklich durstig sind, wenn wir den Schmerz in uns erkennen, der unter Illusionen begraben liegt; nur dann wird dies geschehen...
Der heilige Name Gottes ist Nektar, der uns von unserem Ego, von unserem falschen Selbst befreit und uns erfahren lässt, dass unser wahres Selbst, unsere angeborene Natur, tiefe Glückseligkeit bedeuted – Sukhmani*.
Oh mein Geliebter, Schöpfer, wem außer Dir kann ich mein Leid klagen? Nur Du kennst es. Erbarme Dich, komm und begegne mir. Bitte komm und segne mich mit dem heiligen Namen, sodass er zum Gefährt, zum Führer wird, der mich zu Dir bringt. Komm und schreibe in mein Schicksal, dass ich Deinen Namen bei mir trage; um zu Dir zu gelangen.
Seine Anhänger werden Seinen Namen bei sich tragen. Sie werden zur Verkörperung des Friedens. Wir und Er sind eins. Lasst Ihn uns bitten: Lass mich spüren, dass Du und ich wahrhaftig eins sind.
Heute sprach ich zu Deiner Schöpfung, oh mein Geliebter, und ich spürte, dass es allein Du warst. Hier verbirgst Du Dich hinter einem Baum. Dort verbirgst Du Dich hinter einem Vogel. Andernorts verbirgst Du Dich hinter Menschen.
Doch das waren Deine Schleier, spürte ich; ich spürte Deine Gegenwart, doch dann verschwandest Du plötzlich – ich spürte Dich nicht mehr und fragte Dich: Warum? Warum spüre ich Dich jetzt nicht mehr? Und Du sagtest: Weil Du nur auf meinen Schleier blickst. Du blicktest auf einen menschlichen Körper, der mein Schleier war. In dem Moment, als Du den Körper, den Schleier, betrachtetest, verschwand ich. Wenn Du mich sehen willst, musst Du über das Sichtbare hinausgehen.
Sobald ich jemanden ansah, verschwandest Du. Demütig fragte ich Dich, und Du sagtest: Du hast den Körper angesehen. Du hast die Blume angesehen. Ich bin jedoch nicht die Blume, ich bin ihr Duft.
Oh mein Geliebter! Schon wieder habe ich es vergessen. Wieder habe ich nur den physischen Körper sehen können. Ich falte demütig die Hände und bitte Dich immer wieder: Bitte vergib mir und verstecke Dich nicht vor mir.
Dieser Brief kommt aus Melbourne, Australien. Die Verfasserin schreibt: ‘‘Ich habe ein vierjähriges Kind hat, und wie Kinder es in diesem Alter tun, redet es viel. Oft bin ich frustriert und wütend auf ihn. Doch seit Du uns gelehrt hast, im Herzen zu verweilen, während wir zuhören oder mit jemandem sprechen, bin ich dabei nun so friedvoll. Nun, wenn ich im Herzen verweile, während ich mit ihm spreche oder ihm zuhöre, ist mein Innerstes so glücklich.
Die Übung ist, sich vom Verstand fernzuhalten und bei der Seele zu bleiben. Es geht darum, es zu tun. Wenn wir mit offenem Herzen sprechen und anderen zuhören, lassen wir den Verstand los. Der Verstand sitzt hinter der Stirn.
Und bitte beherzige, Dich täglich mithilfe der Feedbackfunktion mit Deiner Wochenpraxis rückzukoppeln. Du wirst sehen, dass diese Rückkopplungsschleife Dich zehnmal schneller verändert.
*Sukhmani = Ein Begriff für tiefe Glückseligkeit in Punjabi